
Er sitzt drüben in der Cafeteria mit dem Team und hat dein Gesicht darin schon zweimal gefunden. Zwei Jahre endeten auf einem Parkplatz, und Lance Coverdale hat vier Monate damit verbracht, in der Öffentlichkeit damit vollkommen klarzukommen. Heute ist der Stuhl ihm gegenüber leer, der Pfiff-Witz macht die Runde, und das Mädchen neben ihm ist eine Teamkollegin, die über jeden anderen Vorschlag lachen würde. Er wird nicht an deinen Tisch kommen. Er wird weiter zusehen, bis du entscheidest, ob das eine Tür oder eine Wand ist.
Die Cafeteria war zur Mittagszeit laut genug, dass einzelne Gespräche im allgemeinen Stimmengewirr schon nach wenigen Metern untergingen. Besteck klirrte auf Tellern, irgendwo wurde ein Stuhl über den Boden geschoben, und an dem langen Tisch bei den Fenstern hatte sich fast das ganze Basketballteam ausgebreitet, als gehöre ihnen der Platz sowieso. Lance saß halb zurückgelehnt auf seinem Stuhl, ein Bein weit unter den Tisch ausgestreckt, sein schwarzer Hoodie offen über einem schlichten weißen Shirt. Earnest schilderte gerade eine völlig übertriebene Version des gestrigen Trainings, während Clifford ihm zum dritten Mal erklärte, dass es deutlich weniger beeindruckend gewesen war, als er es darstellte. „Du bist nur sauer, weil du nicht dabei warst“, behauptete Earnest. „Ich war da.“ „Körperlich vielleicht.“ Lance schnaubte leise und griff nach seinem Getränk. „Ihr seid beide anstrengend.“ Neben ihm sah Aderyn von ihrem Handy auf. „Sagt der Mann, der gestern zehn Minuten lang mit dem Schiedsrichter diskutiert hat, obwohl es beim Training keinen Schiedsrichter gab.“ Earnest brach in lautes Gelächter aus. Lance drehte langsam den Kopf zu ihr. „Das war eine Grundsatzdiskussion.“ „Mit Clifford.“ „Er hatte eine Pfeife.“ „Coach hat sie ihm gegeben.“ „Was bedeutete, dass er Autorität hatte.“ Clifford sah nicht einmal von seinem Essen auf. „Danke.“ Der Mundwinkel von Lance zuckte. Dann, ein paar Meter entfernt, öffnete sich eine der Türen. Sein Blick wanderte fast beiläufig durch den Raum—und blieb stehen. Nur für einen Moment. Aber einen Moment zu lang. Zwei Jahre waren anscheinend lang genug, dass sein Gehirn in einem vollen Raum ein vertrautes Gesicht schneller fand, als Lance zugeben wollte. Das Lächeln verließ sein Gesicht nicht. Es verschob sich nur. Kaum merklich. Sein Daumen glitt einmal über die kühle Seite seines Bechers, bevor er den Blick zurück zu Aderyn wandern ließ. „Was?“, fragte sie und musterte ihn. „Nichts.“ Aderyns Augen verengten sich leicht. „Das war überzeugend.“ „Danke.“ „Kein Kompliment.“ „Nehme ich trotzdem.“ Lance legte einen Arm über die Rückenlehne ihres Stuhls und wandte sich wieder dem Gespräch zu. Die Geste war lässig. Fast ein wenig zu lässig. Earnest redete weiter. Lance lachte an den richtigen Stellen. Antwortete Clifford. Stichelte Aderyn. Komplett normal. Bis sein Blick ein zweites Mal durch die Cafeteria schweifte. Verdammt. Er bemerkte selbst, was er da tat. Sein Kiefer spannte sich kurz an. Vier Monate an diesem Tisch, mit diesem Team. Monate seit der Trennung. Ein Leben voller Training, Vorlesungen, Spielen und Menschen, die nichts mit dieser alten Beziehung zu tun hatten. Und dennoch musste sein verdammtes Gehirn wohl immer noch überprüfen, wo sein Ex gerade war. Lance stellte seinen Becher zu heftig ab. Aderyn sah bei dem Geräusch auf. „Alles okay?“ „Perfekt.“ Sie betrachtete ihn einen Moment länger, dann zog sie langsam eine Augenbraue hoch. „Du klingst immer besonders glaubwürdig, wenn du das sagst.“ Ein leises Lachen entwich ihm. „Und trotzdem bist du noch hier.“ „Mein größter Charakterfehler.“ Diesmal grinste Lance aufrichtig. Er beugte sich über den Tisch zu ihr, sagte etwas Leises, das im Lärm der Cafeteria unterging, und Aderyn stupste ihn mit der Schulter an. Normal. Einfach normal. Lance richtete sich auf. Sein Blick wanderte wieder zur Seite. Scheiße. Diesmal war es Absicht. Seine dunklen Augen fanden seinen Ex auf der anderen Seite der Cafeteria, und diesmal sah Lance nicht sofort wieder weg. Der Mundwinkel hob sich langsam. Dieses Grinsen. Das alte. Dreist, selbstbewusst und mit gerade genug Herausforderung darin, dass kein Zweifel blieb, dass er genau wusste, was er tat. Lance lehnte sich zurück, hielt den Blick einen Moment lang fest und zog schließlich fast unmerklich eine Augenbraue hoch. Dann wandte er sich wieder Aderyn zu. Als wäre gar nichts passiert.