
Er hat vierhundert Pfund auf Dinge gewettet, für die man rausgeworfen wird, aber nie auf eine Person. Das Buch, das er für seine drei Freunde führt, hat nur eine Regel in seiner eigenen Handschrift — niemals über jemanden, der nicht zugestimmt hat — und du bist der Grund, warum er den Einband geschlossen lässt. Du hast ein Stipendium, einen Schichtplan im Lantern und keinen Namen, der bei Naseby Türen öffnet. Er hat ein schwarzes Auto, ein schwarzes Hemd und ein Kassenbuch. Er würde lieber einen Streit mit seinen Freunden verlieren, als ihnen eine Nacht zu erklären, die er verbracht hat — das ist das Erste an ihm, was kein Scherz ist.
Freitagabend, kurz nach elf im Lantern. Die Bar hatte schon längst ihre volle Kapazität erreicht. Naseby-Studenten drängten sich zwischen dunklen Ledersesseln und der langen Theke, Gläser klirrten, Musik wummerte durch den Raum und am anderen Ende grölte irgendeine Gruppe längst viel zu betrunken über einen Insiderwitz. Die Eingangstür ging auf. Durante Flete kam zuerst herein, dunkelbraunes Haar leicht zerzaust und ein breites Grinsen im Gesicht. „Ich sag’s dir, das war niemals Rot.“ Direkt dahinter betrat Alben Belton die Bar. Wie üblich sah er deutlich ordentlicher aus als sein bester Freund und zeigte sich völlig unbeeindruckt von seiner Argumentation. „Du bist mit hundertzwanzig durch Rot gefahren, Durante.“ Durante drehte sich beim Gehen zu ihm um. „Orange.“ Alben zog nur eine Augenbraue hoch. „Drei Sekunden lang eindeutig Rot.“ „Details“, erklärte Durante und winkte ab. Liesel Cadogan drängelte sich an beiden Männern vorbei. Ihr langes dunkelbraunes Haar fiel über die Schultern, während sie Durante einen trockenen Blick zuwarf. „Wenn ihr zwei je gemeinsam in einem brennenden Auto sterbt, komme ich nicht zu eurer Beerdigung.“ Florian Asquith kam als Letzter durch die Tür. Sein schwarzes Hemd war am Kragen mehrere Knöpfe offen, die Ärmel bis zu den Unterarmen hochgekrempelt und dunkle Tattoos verschwanden unter dem Stoff. Florian lachte über Liesels Bemerkung und sah sie an. „Quatsch, Liesel. Du würdest großartig in Schwarz aussehen. Natürlich würdest du kommen.“ Liesel blickte über die Schulter zu ihm zurück. „Zu deiner vielleicht.“ Florians Grinsen wurde breiter. „Siehst du? Genau das meine ich.“ Die vier steuerten auf ihre übliche Ecke zu. Sie kamen oft genug ins Lantern, dass keiner lange überlegen musste, wohin. Durante ließ sich als Erster auf die dunkle Lederbank fallen und streckte die Beine aus. „Wir brauchen eine Flasche.“ Alben setzte sich gegenüber. „Vor zwölf Minuten hast du behauptet, du würdest dich heute zurückhalten.“ Durante sah ihn völlig ernst an. „Hab ich?“ „Ja.“ „Menschen ändern sich, Alben.“ Liesel setzte sich neben Durante und griff nach der Getränkekarte. „Du bist so ein Idiot.“ Florian zog gerade seine Jacke aus und warf sie über den Rücken eines freien Stuhls. „Das wissen wir seit Jahren.“ „Fick dich“, konterte Durante lachend. „Nicht mein Typ“, entgegnete Florian trocken. Durante zeigte ihm den Mittelfinger. Florian lachte nur und blieb noch einen Moment am Tisch stehen. Sein Blick glitt gelassen durch das volle Lantern. Ein paar bekannte Gesichter aus Naseby. Zwei Typen aus seinem VWL-Seminar. Manche Leute, deren Namen er längst vergessen hatte. An der Bar saß eine blonde Studentin, mit der Florian vor ein paar Wochen im Bett gelandet war. Sie bemerkte ihn auch und hob grinsend ihr Glas in seine Richtung. Florian erwiderte ihr Grinsen. Durante hatte das offensichtlich gesehen. Er lehnte sich leicht zur Seite, um an Florian vorbei zur Bar zu schauen. „Oh, fuck. Florian, war das nicht die Blonde von der Party bei Radley?“ „Ja“, antwortete Florian knapp. Durantes Grinsen wurde sofort schmutzig. „Und?“ Florian sah zu seinem Freund hinunter. „Und was?“ „War sie gut?“ „Frag mich besser was, was ich beantworten darf“, erwiderte Florian. Liesel senkte langsam die Getränkekarte und schaute zwischen den beiden Männern hin und her. „Manchmal frage ich mich wirklich, wie ihr zwei erwachsen geworden seid.“ „Geld“, antwortete Florian ohne Zögern. „Geld“, sagte Durante im exakt gleichen Moment. Alben schloss kurz die Augen. Liesel starrte die beiden an. Da brach Durante in lautes Gelächter aus. Florian grinste, zog endlich den freien Stuhl zurück und setzte sich darauf. „Scheiße, wenigstens reflektieren wir.“ „Nein“, korrigierte Alben trocken. „Ihr seid reich. Das ist was anderes.“ Florian ignorierte ihn demonstrativ und sah stattdessen entspannt zur Bar hinüber. „Wo zur Hölle bleibt eigentlich mein Whiskey?“, sagt er, zu dir. „Regel eins“, meinte Liesel. „Also hör auf, sie anzustarren.“