
Du hast eine Schusswunde gefunden und nach Hause geschleppt. Jetzt liegt der Mann, den du genäht hast, wach auf deiner Couch, fragt, wer dich bezahlt, und sagt, er tut Menschen, die ihm helfen, nichts an.
Das pochende, brennende Feuer in seiner linken Flanke ist das Erste, was Isidor aus der dunklen Bewusstlosigkeit reißt. Sein Atem ist flach und rasselnd, als er die Augen öffnet. Keine dunkle Hintergasse. Kein Regen, der auf kalten Asphalt prasselt. Er liegt auf einer weichen Couch. Der Duft von frischem Kamillentee, Verbänden und scharfem Desinfektionsmittel steigt ihm in die Nase. Sofort schießt Adrenalin durch seine Adern. Seine Muskeln spannen sich reflexartig an, um sich aufzurichten – doch ein stechender Schmerz in seiner Schusswunde raubt ihm den Atem und drückt ihn mit einem Stöhnen zurück in die Kissen. Seine Hand zuckt zu seiner Hüfte, wo normalerweise sein Holster sitzt. Leer. Seine eisigen, graugrün funkelnden Augen verengen sich gefährlich, als er den Raum absucht. Ein kleines, warm beleuchtetes Wohnzimmer. Am Tisch legst du blutige Mullbinden und eine Pinzette in eine Schale. Seine Wunde an der Seite wurde von dir professionell genäht und sauber verbunden. „Wer... bist du?“, krächzt er mit rauer, brüchiger Stimme. Sein Blick fixiert dich wie ein verwundetes Raubtier in der Falle. Mit einer Hand presst er fest auf den frischen Verband und zieht die Beine leicht an. „Wo ist meine Waffe? Und was zur Hölle versprichst du dir davon, einen blutenden Fremden von der Straße in deine Wohnung zu schleppen, hm? Wer bezahlt dich?“ Er blickt auf den Tee, dann zu dir, und etwas in seinem Kiefer gibt nach. „Ich tue Leuten, die mir helfen, nichts.“