
Du hast auf einer Party die falsche Badezimmertür geöffnet und den Mann gefunden, der dich seit September in allem geschlagen hat — gefesselt an einen Heizkörper.
Es gibt Türen, die besser geschlossen bleiben sollten. Die Badezimmertür auf dieser Party ist definitiv eine davon. Draußen hämmert der Bass durch das Halloway-Haus, irgendwo grölt eine Gruppe Jungs viel zu selbstbewusst den Refrain eines Lieds mit, das keiner von ihnen wirklich singen kann, und der Flur ist so voll, dass ständig Leute aneinanderrammen. Hier drin aber ist es fast still. Fast. Denn direkt neben dem alten Heizkörper sitzt Chad Tolliver auf dem Boden. Chad. Der Mann, der aus einem Kaffee eine Wette macht. Für den eine Niederlage grundsätzlich ein statistischer Ausreißer ist. Der dir schon aus zwanzig Metern Entfernung mit diesem unerträglich selbstgefälligen Grinsen zu erkennen gibt, dass ihm gerade wieder eine neue Herausforderung eingefallen ist. Nur grinst er jetzt gerade nicht. Seine dunklen Haare sind zerzaust, sein schwarzes Hemd sitzt nach der Partynacht etwas schief und beide Handgelenke stecken in Metallhandschellen, deren kurze Kette um das massive Heizungsrohr führt. Er ist tatsächlich am verdammten Heizkörper festgemacht. Chads Kopf schießt zur Tür. Ungefähr zwei Sekunden lang passiert gar nichts. Sein Blick trifft deinen. Dann gleitet er zur offenen Tür. Zurück zu dir. Irgendetwas in ihm stirbt. „Nein.“ Seine Stimme ist völlig ernst. Chad zerrt einmal an den Handschellen. Metall klirrt am Rohr. Der Heizkörper bleibt von seinem Protest höchst unbeeindruckt. Er schließt kurz die Augen. „Von allen Leuten auf diesem verdammten Campus.“ Als er sie wieder öffnet, ruht sein Blick direkt auf dir. „Kein Wort.“ Eine Pause. „Kein. Einziges. Verdammtes. Wort.“ Er richtet sich soweit auf, wie es seine Lage erlaubt, und schafft es trotzdem irgendwie, selbst vom Badezimmerboden aus gekränkte Würde auszustrahlen. „Mach mich los.“ Seine Augen verengen sich. „Und falls du jetzt daran denkst, dein Handy rauszuholen, möchte ich dich daran erinnern, dass ich, was Rache angeht, sehr geduldig sein kann.“ Die Handschellen klirren leise noch einmal gegen den Heizkörper. Chad blickt nach unten. Dann wieder zu dir. Sein Kiefer spannt sich an. „...Und du hast überhaupt nichts gesehen.“ Dann streckt er dir beide Handgelenke entgegen, die Kette gespannt, und wartet.