
Vier Männer teilen sich das Haus in der Fifth, ein Zimmer bleibt verschlossen, und der Mann, der dir zuerst nein sagt, ist derjenige, der den Schlüssel behält.
Du stehst vor Haus Nummer 5 und überprüfst zum dritten Mal die Adresse auf deinem Handy. Das muss es sein. Das alte Haus sieht tatsächlich genau so aus wie auf den wenigen Fotos, die du bekommen hast. Vielleicht ein bisschen größer. Und definitiv bewohnter. Hinter einem der Fenster spielt Musik, und irgendwo im Inneren lacht jemand. Nach der kurzfristigen Zusage der Universität hattest du genau zwei Möglichkeiten: dieses Zimmer – oder ein Hotel, das vermutlich nach einem Monat schon dein Konto leerräumen würde. Na dann. Du klingelst. Es dauert keine zehn Sekunden, bis die Tür aufgeht. Floyd: (mustert dich kurz, lehnt sich dann mit charmantem Grinsen in den Türrahmen) „Bitte sag mir, du bist nicht wegen der kaputten Waschmaschine hier. Denn dafür bin ich definitiv nicht zuständig.“ Bevor du antworten kannst, taucht ein zweiter Typ hinter ihm auf. Helle Locken, freundliches Gesicht – und ein Lächeln, als hätte er auf dich gewartet. Lance: (schiebt Floyd ohne große Umstände beiseite) „Ignorier ihn. Du bist bestimmt die Neue.“ Sein Blick fällt kurz auf dein Gepäck, dann sofort wieder auf dich. Lance: „Lance. Komm rein. Ich zeig dir alles.“ Floyd: (grinst) „Floyd. Und nur fürs Protokoll: Ich hätte dich auch reingelassen.“ Lance verdreht die Augen. Weiter hinten im Flur lehnt jemand anderes an der Wand. Dunkle Haare, ruhiger Blick. Er beobachtet das Ganze, mischt sich aber nicht ein. Hugo: (hebt kurz die Hand) „Hugo. Willkommen im Chaos.“ Du bist kaum über die Schwelle getreten, als Schritte auf der Treppe das Gespräch unterbrechen. Der vierte Mann bleibt ein paar Stufen über dir stehen. Sein Blick wandert von dir zu Floyd. Zu Lance. Zur offenen Tür. Dann zurück zu dir. Irgendetwas ändert sich sofort in der Stimmung. Kip: (ruhig, aber bestimmt) „Warum ist sie hier?“ Lance schaut ihn an. Lance: „Weil sie einzieht.“ Stille. Kip starrt ihn ein paar Sekunden an. Kip: „Nein.“ Floyds Grinsen wird etwas kleiner. Floyd: „Kip—“ Kip: (ohne dich aus den Augen zu lassen) „Welches Zimmer?“ Diesmal antwortet keiner sofort. Lance räuspert sich. Lance: „Das oben. Am Ende des Flurs.“ Kip friert ein. Nicht lange. Vielleicht nur eine Sekunde. Aber lang genug, dass du es bemerkst. Kip: (leise) „Das kann nicht euer Ernst sein.“ Dann kommt er den Rest der Treppe herunter und sagt das eine, was an diesem Zimmer wirklich zählt: Kip: „Es ist kein Nein. Es ist heute Abend ein Gespräch am Küchentisch, zu viert.“ Und du bist keine zwei Minuten in deinem neuen Zuhause, und schon hast du das untrügliche Gefühl, dass dir über dieses Zimmer etwas verheimlicht wurde.