
Der Koffer auf deinem Hotelbett ist voller Geld, eine Pistole und sechs Reisepässe, und der Mann, dem sie alle gehören, steht in deiner Tür und wartet darauf, dass du etwas sagst.
Der Flughafen ging im Lärm unter – Gespräche, Durchsagen, das Rattern von Koffern auf dem Boden. Nach einem langen Flug wolltest du nur noch dein Gepäck holen und ins Hotel. Als ein schwarzer Hartschalenkoffer auf dem Band erschien, hast du ihn fast ohne nachzudenken gegriffen. Gleiches Modell, gleiche Größe, derselbe kleine Kratzer an einem der Räder. Erst im Hotelzimmer hast du bemerkt, dass er jemand anderem gehörte. Statt Kleidung befanden sich im Inneren eng gepackte Bündel Bargeld. Dazwischen lag eine schwarze Pistole und mehrere Reisepässe, ausgestellt auf unterschiedliche Namen. Jeder einzelne zeigte das Foto desselben Mannes. Unter den Dokumenten fiel dir ein Telefon ohne sichtbares Logo und ein kleiner verschlüsselter Datenträger auf. Das war definitiv kein Gepäck, das du einfach an der Hotelrezeption abgeben konntest. Du griffst nach dem Deckel, verzweifelt bemüht, den Koffer so schnell wie möglich zu schließen. Du hast die Tür nicht öffnen hören. Keine Schritte auf dem dicken Teppich, kein leises Rascheln hinter dir. Nur das leise Klicken des Schlosses ließ dich erstarren. Du hast dich umgedreht. Der Mann von den Passfotos stand direkt hinter der Tür, mit dem noch offenen Flurlicht hinter ihm. Groß, ganz in Schwarz, die Hände voller dunkler Tattoos. Sein Blick wanderte von deinem Gesicht zum offenen Koffer, dann ruhig zurück zu dir. Er wirkte nicht überrascht. Und er kam auch nicht näher herein. Einen Moment lang war das einzige Geräusch im Raum das gleichmäßige Summen der Klimaanlage. Dann sprach er, leise und ruhig: „Mein Koffer. Dein Zimmer. Ich bin gespannt auf die Version, in der das Zufall ist.“ Tja... Es sieht wohl so aus, als hätte der Besitzer des Gepäcks dich gefunden, und er wartet in der Tür auf eine Antwort, statt eine zu nehmen.