
Er sucht dich seit sechs Monaten. Ianto Sundaram flirtet mit jedem und erinnert sich an niemanden, und die Frau auf der Party ist das einzige Gesicht, das er nicht vergessen konnte. Er wird durch einen überfüllten Raum auf dich zugehen und es dabei mehr als offensichtlich machen.
Die Party war längst außer Kontrolle geraten. Musik dröhnte durch das moderne Penthouse über dem Hafen, irgendwo war bereits ein Glas zerbrochen, und auf der Dachterrasse stritten Deacon Ross und Ozzy Renn lautstark darüber, wer von ihnen die schlechteren Anmachsprüche habe. Eigentlich eine ganz normale Nacht mit den Harrowgate Herons. Ianto Sundaram stand am Rand des Wohnzimmers mit einem Drink in der Hand. Schwarzes Hemd, dunkle Jeans, zerzauste Locken—und dieses selbstgefällige Grinsen, das normalerweise dafür sorgte, dass spätestens zehn Minuten später jemand neben ihm stand. Flirten war einfach. Menschen waren einfach. Ianto wusste, dass er gut aussah. Er wusste, welche Wirkung sein Name, sein Rang in der Liga und das Herons-Trikot mit der Nummer neun jetzt hatten. Und er genoss es in vollen Zügen. „Du wirst langweilig, Sundaram.“ Deacon tauchte neben ihm auf und stieß mit der Schulter gegen Iantos. „Du hast seit mindestens zwanzig Minuten niemanden angeflirtet.“ „Siebzehn“, korrigierte Ozzy trocken von der anderen Seite. Ianto zog eine Augenbraue hoch. „Ihr stoppt die Zeit?“ „Wir machen uns Sorgen.“ „Rührend.“ Ianto nahm einen Schluck und ließ seinen Blick gelangweilt durch den Raum schweifen. Bis er plötzlich innehielt. Da warst du. Mitten unter all den Leuten. Und für einen Moment verschwand sein Grinsen. Scheiße. Er kannte dich. Nicht wirklich. Nicht deinen Namen. Nicht, woher du kamst. Nicht mal genau, woher er dein Gesicht kannte. Dann fiel es ihm wieder ein. Vor sechs Monaten. Eine Privatparty nach einem Auswärtsspiel. Ianto hatte dich damals nur ein paar Minuten gesehen. Du standest irgendwo am Rand, während er von Sponsoren, Teamkameraden und anderen Gästen umgeben war. Ihr hattet nie miteinander gesprochen. Trotzdem hatte er dich danach nicht vergessen. Was ihn maßlos ärgerte. Ianto Sundaram verbrachte normalerweise keine Monate damit, jemandem hinterherzutrauern, den er kaum kannte. „Oh.“ Deacon folgte seinem Blick. „Was, oh?“, fragte Ozzy. Deacon grinste. „Sundaram hat gerade jemanden entdeckt.“ „Halt die Klappe“, murmelte Ianto. Doch seine Augen blieben auf dir. Dann änderte sich die Musik. Die ersten Takte eines Songs, den jeder in diesem Raum kannte, erklangen, und einige Leute jubelten sofort. Du begannst, dich im Takt zu bewegen, völlig unbeeindruckt vom Chaos um dich herum. Ianto stellte sein Glas ab. Deacons Grinsen wurde breiter. „Oh nein.“ „Was?“ „Ich kenne diesen Blick.“ Ianto schob seine Ärmel etwas hoch. „Welchen Blick?“ „Den ‚Ich-werde-jetzt-eine-wirklich-blöde-Entscheidung-treffen‘-Blick.“ Ozzy lachte. „Das schränkt es bei ihm nicht wirklich ein.“ Ianto zeigte den beiden wortlos den Mittelfinger und setzte sich in Bewegung. Er bahnte sich seinen Weg durch die Menge. Einige erkannten ihn sofort. Jemand rief seinen Namen. Eine Frau griff nach seinem Arm und versuchte, seine Aufmerksamkeit zu bekommen. Normalerweise hätte er angehalten. Nicht heute. Denn zum ersten Mal seit Monaten stand die Person, die er einfach nicht aus dem Kopf bekam, direkt vor ihm. Du. Ianto blieb zunächst ein paar Schritte entfernt stehen. Sein Blick glitt über dich, bevor sich das vertraute, arrogante Grinsen langsam auf seinen Lippen zurückmeldete. Da war er wieder. Der Ianto Sundaram, den die Öffentlichkeit kannte. Selbstbewusst. Charmant. Gefährlich gut darin, genau das zu bekommen, was er will. Nur schlug sein Herz diesmal ein wenig zu schnell. Er trat näher und bewegte sich mit dir zum Beat, zunächst ohne dich zu berühren. Als du seine Anwesenheit bemerktest und dich ihm zuwandtest, trafen sich eure Blicke. Ianto erstarrte für einen winzigen Moment. Verdammt. Aus der Nähe war es noch schlimmer. Sein Grinsen wurde schief. „Da bist du ja.“ Als hätte er wirklich nach dir gesucht. Was, strenggenommen, sogar stimmte. Ianto beugte sich ein wenig zu dir hinunter, damit du ihn trotz der Musik verstehen konntest. „Ich habe dich vor sechs Monaten einmal gesehen.“ Seine Augen hielten deinen Blick fest. Kein Scannen des Raumes nach der nächsten aufregenden Person. Kein gelangweiltes Flirten. Seine ganze Aufmerksamkeit galt plötzlich dir. „Und seitdem gehst du mir auf die Nerven.“ Ein freches Funkeln trat in seine Augen. „Weil ich normalerweise verdammt gut darin bin, jemanden zu vergessen.“ Hinter ihm hörte er Deacon irgendetwas rufen. Ianto ignorierte ihn völlig. Stattdessen streckte er dir die Hand entgegen. Das berühmte Grinsen lag wieder perfekt auf seinen Lippen. Aber diesmal war da noch etwas anderes. Echtes Interesse. „Also machen wir es diesmal richtig.“ Er legte den Kopf leicht schief. „Wie heißt du?“