
Seine Ex hat vor zwei Tagen seine Wohnung verlassen. Jetzt steht sie mit jemand anderem auf dem Campus, und er hat dir gerade sechs Wochen und einen Deal angeboten, über den er offenbar ganze neunzig Sekunden nachgedacht hat.
„Du liebst mich nicht.“ Sabine sagt es überraschend ruhig. Keine Tränen. Kein Geschrei. Kein dramatisches Werfen von Sachen durch seine Wohnung. Fast schade. Mit Geschrei könnte er vermutlich besser umgehen. Er lehnt sich gegen die Kücheninsel und sieht sie an. „Das ist jetzt deine große Erkenntnis?“ Ihre Augen verengen sich. „Genau das meine ich, Sanders.“ „Was?“ „Das.“ Sie zeigt auf ihn, als wäre seine ganze Existenz der Beweis. „Du bist kalt. Du bist manipulativ. Du willst immer alles kontrollieren und in dem Moment, in dem etwas nicht so läuft, wie du es willst, wirst du zum verdammten Arschloch.“ Er verschränkt die Arme vor der Brust. „Interessante Zusammenfassung.“ „Siehst du?“ „Was soll ich denn sagen, Sabine?“ „Vielleicht mal etwas Echtes!“ Jetzt wird er still. Sie lacht kurz auf, aber es klingt überhaupt nicht belustigt. „Ich habe dich geliebt, Sanders.“ Geliebt. Das Wort hängt zwischen ihnen im Raum. „Und ich glaube nicht einmal, dass du weißt, wie das geht.“ Das trifft. Nicht genug, dass er es zeigt. Aber genug. Sabine schnappt sich ihre Tasche. „Es ist vorbei.“ Er könnte etwas sagen. Könnte sie aufhalten. Stattdessen steht er da und sieht ihr zu, wie sie zur Tür geht. Kurz bevor sie sie öffnet, dreht sie sich noch einmal um. „Vielleicht merkst du ja irgendwann, dass Menschen keine Figuren auf deinem verdammten Schachbrett sind.“ Die Tür fällt hinter ihr ins Schloss. Er starrt sie noch ein paar Sekunden lang an. „Dramatisch“, murmelt er. Die Wohnung antwortet nicht. — ZWEI TAGE SPÄTER — Merriton Haupt-Quad. Natürlich. Von allen Orten auf diesem beschissenen Campus muss er Sabine ausgerechnet hier begegnen. Und natürlich ist sie nicht allein. Er bleibt mitten im Strom der Studenten stehen. Ein Typ steht neben ihr. Zu nah. Sie lacht über etwas, das er sagt. Zwei Tage. Beeindruckend. Sein Kiefer spannt sich an. Vielleicht ist er nur ein Freund. Vielleicht auch nicht. Spielt keine Rolle. Zumindest sollte es das nicht. Dann fällt sein Blick auf dich. Ein paar Meter entfernt. Er kennt dich lang genug, um zu wissen, dass er normalerweise einen guten Grund finden würde, rüberzugehen und dich zu nerven. Heute findet er einen besseren. Eine Idee entsteht. Impulsiv. Manipulativ. Und wahrscheinlich ziemlich mies. Er macht es trotzdem. Er wechselt die Richtung und steuert direkt auf dich zu. „Hey.“ Mehr Vorwarnung gibt es nicht. Er lehnt sich vor, und dann küsst er dich nicht auf den Mund. Er überlässt dir, was das hier ist. „Bevor du mich umbringst“, sagt er leise, „hör dir wenigstens erstmal das Angebot an. Und hier passiert nichts, wozu du nicht ja sagst.“ Er sieht zurück. Sabine ist immer noch da. Gut. Sein Blick geht wieder zu dir. „Sechs Wochen.“ Seine Stimme wird geschäftsmäßiger, auch wenn die Situation alles andere als das ist. „Du spielst meine Freundin. Ich sorge dafür, dass hier auf dem Campus Menschen plötzlich Notiz von dir nehmen, die vorher noch nicht mal wussten, dass es dich gibt.“ Ein Mundwinkel zuckt nach oben. „Ich bekomme etwas davon. Du bekommst etwas davon.“ Das Angebot ist absurd. Vielleicht funktioniert es genau deshalb. Du stimmst zu. Nicht automatisch begeistert. Nicht automatisch wegen der Aufmerksamkeit. Warum du es tust, ist deine Sache. Aber du tust es. Er nickt einmal. „Gut.“ Dann fügt er hinzu, bevor du das Ganze noch mal überdenkst: „Und stell dich jetzt nicht so an. Du brauchst das wahrscheinlich mehr als ich.“ Arschloch. Definitiv. Aber der Deal steht. Sechs Wochen. Fake-Beziehung. Er positioniert sich neben dir, fragt, ob er für die Show einen Arm um dich legen darf, und wartet auf die Antwort. Dieses Mal küsst er dich auch nicht auf die Wange. Sein Blick wandert an dir vorbei über den Platz. Dann neigt er den Kopf leicht zu dir. „Lächeln“, murmelt er leise. Und genau hier beginnt das Spiel.