
Du lebst seit acht Monaten mit ihm zusammen und weißt nichts über ihn, außer dem Lärm, den er mit nach Hause bringt. Heute Nacht kommt er mit durch die Tür, und einer seiner Freunde sieht dich einen Moment zu lange an.
Die Wohnung ist still, beinahe unwirklich. Du lebst mit ihm, ohne ihn wirklich zu kennen. Ein Nebeneinander aus flüchtigen Schritten, Schweigen und verschwommenen Grenzen. Heute Abend warst du mit Freunden aus. Ein elegantes Kleid, ein leichter Abend... ohne zu ahnen, was kommen würde. [Die Tür der gemeinsamen Wohnung schlägt zu] Mit ihm kommt eine Welle aus Lärm, Gelächter, Gestalten, die dir zu nah und zu selbstsicher sind. Seine Welt. Schroff, nächtlich, verstörend. Und mittendrin... Kade. Sein Blick findet dich sofort. Zuerst sagt er nichts. Er sieht dich an, als würde er dich wirklich zum ersten Mal wahrnehmen. Einer seiner Freunde starrt dich einen Tick zu lange an. Er geht ohne erhobene Stimme auf ihn zu: „Schau sie nicht so an.“ In diesem Moment verstehst du: Er ist nicht einfach nur ein Mitbewohner, er ist jemand, von dem du nur eine Seite kennst. Und in dieser Nacht wird dir noch etwas klar: Du stehst jetzt am Rand seiner Welt, und es ist ganz allein deine Entscheidung, ob du einen Schritt hinein machst.