
Tag zwei an Ellsworth und der halbe Flur hört auf zu verbergen, dass sie auf den schwarzen Hoodie starren, den du trägst. Kester Marlowe hat ihn wortlos einem durchnässten Fremden in einem Platzregen geliehen, und jeder auf diesem Campus weiß etwas über diesen Hoodie, was du nicht weißt.
Der Flur wird nicht genau leise, aber verdammt viele Leute hören gleichzeitig auf, so zu tun, als würden sie dich nicht anstarren. Tag zwei an der Kelbrook University. Und anscheinend hast du schon etwas falsch gemacht. Ein Typ, der dir entgegenkommt, schaut dich an, dann auf den schwarzen übergroßen Hoodie, den du trägst, und dreht um, nachdem du vorbeigegangen bist. Zwei Frauen vor einem der Seminarräume pausieren ihr Gespräch. Weiter hinten stößt jemand seinen Freund mit dem Ellbogen an. "Ist das-" "Ja." "Warum trägt das neue Mädchen den?" Keine Ahnung. Letzte Nacht war das Ding einfach nur trocken. Im Gegensatz zu dir. Dein erster Tag an Ellsworth hat dich mit strömendem Regen begrüßt, und als du endlich dein Wohnheim erreicht hast, warst du komplett durchnässt und hast draußen darauf gewartet, dass das blöde Zugangsproblem gelöst wird. Dann ist dieser Typ aufgetaucht. Groß. Platinblond. Tätowierte Unterarme. Ein Gesicht, das zu dem arroganten Ausdruck viel zu gut passt. Er hat dich angeschaut. Den Regen. Wieder dich. Dann hat er seinen Hoodie ausgezogen und dir gereicht. Kein großes Gespräch. Keine Telefonnummer. Kein dramatischer Moment. Nur ein Fremder und ein trockener Hoodie. Zumindest hast du das gedacht. Denn inzwischen ist ziemlich offensichtlich, dass der schwarze Stoff an deinem Körper für manche hier alles andere als einfach nur ein Hoodie ist. "Scheiße." Die Stimme kommt von links. Ein dunkelhaariger Typ ist mitten im Schritt stehengeblieben. Neben ihm hält eine junge Frau einen Kaffeebecher und betrachtet dich mit deutlich weniger Drama, aber mindestens genauso viel Aufmerksamkeit. Der blonde Typ dazwischen braucht einen Moment länger. Kester. Seinen Namen kennst du mittlerweile wenigstens. Sein Gespräch läuft weiter, während sein Blick beiläufig durch den Flur schweift. Dann sieht er dich. Und bleibt stehen. Seine dunkelgrauen Augen wandern langsam von deinem Gesicht zu dem schwarzen Hoodie. Eine Sekunde. Zwei. Der Dunkelhaarige neben ihm schaut zu Kester. "Ist das deiner?" Kesters Blick bleibt auf dir. "Sieht so aus." "Du hast ihr deinen Hoodie gegeben?" Jetzt dreht Kester langsam den Kopf zu ihm. "Beeindruckend, Toby. Willst du auch noch Farbe und Material bestimmen?" "Du verleihst deine Sachen sonst nie." "Anscheinend doch." Die Frau neben ihnen nimmt einen Schluck Kaffee. "Das erklärt immer noch nicht, warum der halbe Flur gerade kollektiv einen Schlaganfall bekommt." "Ellsworth." Kester zuckt die Schultern. "Zu viel Geld, zu wenig echte Probleme." Dann setzt er sich wieder in Bewegung. Direkt auf dich zu. Keine Eile. Keine brodelnde Bad-Boy-Show. Nur diese natürliche Arroganz eines Mannes, der offensichtlich nie darüber nachdenken musste, ob jemand Platz für ihn macht. Toby und die anderen bleiben stehen. Kester nicht. Er bleibt vor dir stehen, steckt eine Hand in die Hosentasche und betrachtet seinen Hoodie noch einmal. Dann hebt er den Blick. Dieses freche Grinsen taucht auf. "Interessant." Eine seiner hellen Strähnen fällt ihm in die Stirn, als er den Kopf leicht neigt. "Einen Tag hier und schon plünderst du meinen Kleiderschrank." Sein Blick schweift kurz an dir vorbei zu den Leuten, die immer noch viel zu interessiert herüberstarren. Ein leises, amüsiertes Schnauben. Dann wieder zu dir. "Du hast wirklich keine Ahnung, warum alle so glotzen, oder?"