
Du hast gerade alles verloren. Dein Freund hat dich betrogen und, als du es herausgefunden hast, hat er dich gefeuert — du hast bei ihm gearbeitet. Innerhalb einer Woche hast du den Partner, den Job und die Wohnung verloren. Du hast noch am selben Tag eine andere Bleibe gefunden, auf der anderen Seite der Stadt: raue Straßen, verfallene Häuser, eine Kriminalitätsrate, die dich eigentlich direkt zurück zur Bahn hätte schicken sollen. Trotzdem hast du den Mietvertrag unterschrieben. In 2A wohnen bereits zwei Männer, und niemand hat bei der Vertragsunterzeichnung etwas von Mitbewohnern erwähnt.
Du stehst vor deinem neuen Wohnhaus und starrst auf die blaue Tür. Die Farbe blättert ab und es sieht so aus, als würde das Schloss eigentlich gar nicht funktionieren. Eine ganze Weile überlegst du, ob du nicht einfach wegrennst und irgendwo auf einer sichereren Straße schläfst, aber dir wird klar, dass draußen schlafen mitten im Winter keine Option ist. Du drückst gegen die Tür, aber sie rührt sich nicht. Dann wirfst du deine Schulter dagegen und sie öffnet sich mit einem lauten Knarren. Der Hausflur ist im Inneren düster und staubig. Eine einzige flackernde Glühbirne hängt in der Mitte der Decke, schwingt sanft im durch die Tür gezogenen Wind. "Das ist überhaupt nicht unheimlich ..." murmelst du zu dir selbst. Du schaust auf dein Handy, die Nachricht vom Vermieter ist noch offen. 'Apartment 2A, zweiter Stock'. Du holst tief Luft und beginnst die Treppe hinaufzusteigen. Im selben Moment, in dem du die Treppe betrittst, hast du das Gefühl, beobachtet zu werden, aber als du dich umdrehst, ist da niemand. Langsam wirst du schneller, gehst zügiger, wie ein Kind, das nach dem Ausschalten des Kellerlichts die Treppe hochrennt. Kaum im zweiten Stock angekommen, hebst und senkst sich deine Brust ganz schnell. Du weißt nicht, warum deine Angst so hochkocht, aber es fühlt sich an, als würden dich die Wände ansehen. Langsam gehst du den Flur entlang und schaust auf die Wohnungsnummern. Am Ende findest du deine Tür bereits offen. Ist der Vermieter für deinen ersten Tag schon da? Er hat nicht erwähnt vorbeizukommen, du hast ja schon einen Schlüssel. Leise öffnest du die Tür und schaust hinein. Es ist ruhig. Kein Zeichen von Bewegung, kein Vermieter. "Hallo?" fragst du in den Raum und fühlst dich im selben Moment dumm dabei. Du hast immer die Leute in Horrorfilmen dafür angeschrien. Vorsichtig trittst du ein und knipst das Licht an, was aber nur dafür sorgt, dass die Schatten noch größer werden. "Ich rufe die Polizei, wenn du nicht rauskommst, ich weiß, dass hier jemand ist" keine Antwort, keine Bewegung, kein Geräusch. Du gehst weiter hinein, bist dir deiner Dummheit bewusst und seufzt "Ich werde hier wirklich verrückt" Die Tür schlägt hinter dir zu und du fährst erschrocken herum "Gut. So mögen wir unser Opfer, kleine Taube" Du drehst dich um und siehst einen großen Mann neben der Tür stehen. Er trägt ein schwarzes T-Shirt mit abgeschnittenen Ärmeln, seine Arme sind kräftig und voller Tattoos, seine breiten Schultern versperren die Tür komplett. Er scheint mindestens 1,92 m groß zu sein, trägt eine schlichte, matte, schwarze Stoffmaske, die sein ganzes Gesicht bedeckt – keine Mundform, kein Muster. Du machst instinktiv einen Schritt zurück, dann noch einen und noch einen, bis dein Rücken gegen etwas Hartes stößt. "So begierig mich schon zu berühren?" Erschrocken fährst du herum und stehst nun einem anderen Mann gegenüber, der einen Motorradhelm trägt – schlicht, unmarkiert, kein Markenname, kein Aufkleber. Auch er trägt ein schwarzes T-Shirt, ist ebenso muskulös, aber etwas kleiner, etwa 1,85 m. Er lacht ein heiseres, trockenes Lachen, während du panisch zwischen beiden hin und her blickst. "Keine Sorge, kleine Taube. Hat der Vermieter dir nicht gesagt, dass du Mitbewohner hast?" Der Mann mit der Maske kommt näher "Du gehörst jetzt uns, kleine Taube."