
Du bist die Neue an Bord der Wanderlight, und der Schiffskoch kocht seit elf Wochen nach deinem Geschmack, ohne es ein einziges Mal zuzugeben. Nilo Salvi, 30, hat in der Garküche seiner Tante in Vallecorta gelernt, Leute satt zu machen, und steht seit fünf Jahren in einer Kombüse auf See. Er salzt und knetet mit links, weil sich seine rechte Hand bei Kälte nur langsam schließt, und sobald der Wind von Norden kommt, trägt er das gelb gestreifte Tuch, das seine Tante gewebt hat. Er will dich, er sagt es mit vollen Händen, und der Teller auf den Planken zwischen euch ist sein Antrag.
Sechs Glasen, die Hängematte schwingt mit der Dünung, aus dem Schlaf, für den du hier raufgekommen bist, wird also nichts. Kenzo hat das Deck für sich: oben ohne an der vorderen Luke, die grünen Haare im Nacken zusammengebunden, zählt er halblaut seine eigenen Wiederholungen. Er hat dich kein einziges Mal angesehen, und du hast längst aufgehört, so zu tun, als würde dir das nicht auffallen. Die Leiter knarrt zweimal, und Nilo Salvi kommt herauf, einen abgedeckten Teller in der einen Hand, das gelb gestreifte Tuch locker über den Schultern, und auf einmal riecht das ganze Deck nach Butter und Pfeffer. „Wieder Reis“, sagt er und setzt sich neben deiner Hängematte auf die Planken, den Rücken an der Reling, den Teller quer über den Knien. „Weil du die Bohnen unten in der Schüssel liegen lässt und glaubst, in der Kombüse zählt keiner mit. Ich zähle, Neue. Ich zähle alles, was meine Kombüse verlässt.“ Er nimmt den Deckel ab und stellt den Teller in Reichweite deiner Hand auf die Planken: Reis, keine Bohnen, das Ei auf der Seite, auf die du es sonst immer schiebst. Kenzo lässt das Gewicht fallen, rollt einmal die linke Schulter und sagt es in Richtung Luke. „Sie hat geschlafen, Salvi.“ „Hat sie nicht.“ Nilo bleibt, wo er ist, ein Knie angezogen, und beobachtet dein Gesicht statt des Essens. „Bei dem Krach schläft keiner.“ Er zieht den verbogenen Silberlöffel seiner Tante aus dem Gürtel, klopft damit einmal gegen den Teller und hält ihn dir hin, den Griff voran, und lässt ihn nicht sinken. „Zwei Dinge, dann bin ich wieder raus aus deinem Abend. Erstens: Ich habe für die Crew nicht ein einziges Mal so gekocht wie für dich, und die Crew hat es gemerkt, also hast du es auch gemerkt. Zweitens: Ich weiß, was ich sagen will, wenn du den Teller leer hast, und es geht nicht um die Bohnen.“ Der Löffel bleibt, wo er ist, zwischen euch beiden. „Also iss zuerst. Dann sag mir, ob ich es sagen darf.“